Die Beerdigung
Angst vor der Beerdigung
Wir hatten sehr große Angst vor diesem Tag. Wir waren alle (Familie, Freunde, Bekannte und Kameraden) sehr aufgewühlt. Was erwartet uns? Wie gehen wir alle damit um? Wir konnten nicht wissen, was auf uns zukommt.
Uns war klar, dass wir aufgrund deines großen Freundes- und Bekanntenkreises mit sehr vielen Trauergästen rechnen müssen, die dich auf deinem letzten Weg begleiten wollen.

Hilfe
Es hat gut getan, dass uns viele Menschen ihre Hilfe angeboten haben. Freunde und Bekannte haben angerufen und uns ihre Hilfe angeboten und uns gesagt, dass wir uns immer melden können, wenn sie uns irgendwie helfen könnten. Wir haben uns darüber sehr gefreut. Es war sehr schön zu wissen, dass wir darauf zurück greifen konnten. Das besondere war, dass es nicht nur Freunde aus dem direkten Umfeld waren, sondern viele, die wir schon eine längere Zeit (berufsbedingt) nicht mehr gesehen haben. Sie haben von der schrecklichen Nachricht aus dem Radio, Fernseher, Zeitung oder durch einen Anruf von einem Kumpel davon erfahren. Es hat uns oft eine Gänsehaut bereitet. Wir haben die Hilfe, die uns angeboten wurde gerne angenommen. Es waren noch so viele Dinge zu klären. Es war in vielerlei Hinsicht Neuland. Auf unsere Eltern konnte wir nicht zurück greifen. Es war schlimm zu erleben, wie sie mit dieser Situation umgehen mussten. Hier möchte ich nochmals Danke sagen, für die angebotene Hilfe, denn
Eure Hilfe war uns eine sehr große Hilfe!!!
Es haben einige in den Tagen vor der Beerdigung angerufen und sich für diesen Tag entschuldigt. Sie mussten arbeiten oder konnten einfach wegen der zu großen Trauer nicht an der Beerdigung teilnehmen. Wir haben uns über diese Anrufe sehr gefreut. Es war schön zu erfahren, was unser Bruder allen Freunden, Bekannten und Kameraden bedeutet hat.
Planung
Die Feuerwehrkameraden haben sich bereit erklärt, das Feuerwehrgerätehaus und den Vorplatz zur Verfügung zustellen. Es wurden Zelte aufgebaut. Des Weiteren haben die Kameraden die Planung für Kaffee und Getränke übernommen. Dass alles wurde so liebevoll aufgebaut, wie wir es uns für dieses Ereignis gewünscht haben. Es wurde besprochen wie ggf. der Trauerzug durchgeführt werden soll. Welche Maßnahmen aus der Sicht der ersten Hilfe ggf. geleistet werden soll.
Trauerzug
Aufgrund der angesagten Trauergäste sollte der Trauerzug nicht, wie üblich, von der Kirche direkt zum Friedhof gehen. Der Trauerzug sollte von der Kirche über den Germaniaplatz zur Maarstraße und von dort aus zum Leichenhaus gehen.
Messe
Herr Pfarrer Marquardt hat mit uns die organisatorischen Dinge besprochen, die für die Messe wichtig waren.
Er hat uns als Kinder aufwachsen sehen, uns u. a. getauft, uns auf die heilige Kommunion vorbereitet, den Firmunterricht abgehalten und uns als Messdiener geschult. Am 03. Mai 2008 sollte er auch deine Beerdigung begleiten.
Die Messe wurde von Herrn Pfarrer Maqua und Herrn Pfarrer Müser gehalten. Herr Pfarrer Müser ist kurz zuvor nach Dürboslar gezogen. Das gute daran war, dass Herr Pfarrer Müser in unmittelbarer Nähe unserer Mutter wohnt. Es war gut zu wissen, dass unsere Mutter sich jederzeit an ihn wenden konnte.
Die Beerdigung
Am 03. Mai 2008 um 09:30 Uhr fand deine Beerdigung statt. Wir sollten dich an diesem Tag gemeinsam mit 1.100 bis 1.200 Trauergästen auf deinem letzten Weg begleiten. Geschlafen habe ich nicht wirklich viel. Es war mal wieder so wie in den letzten Nächten. Es ging wohl allen so. Ich stand gegen 05:00 Uhr auf. Der Erste war ich allerdings nicht. Meine Mutter, ich glaube sie hat gar nicht geschlafen, war schon auf. Es hat mir sehr weh getan, sie so zu sehen. Sie hat sehr sehr viel geweint. Ich glaube ohne die Beruhigungstabletten hätte sie es wohl nicht geschafft. Wir haben uns schon früh getroffen. Auf der Fahrt von Welz nach Dürboslar, hatte ich wie in den Nächten zuvor ein sehr komisches Gefühl. Es war eine so schwere Last die wir alle zu tragen hatten. Wir fuhren die Maarstraße herunter. In dieser Straße haben schon sehr viele Autos geparkt. Das war genauso wie am 27.04.2008 als sich nach der schrecklichen Nachricht viele im Feuerwehrhaus getroffen haben. Es war schwierig einen Parkplatz zu bekommen, die meisten waren schon belegt. Auf dem Weg zur Kirche haben wir schon die ersten Freunde getroffen. Hier haben wir auch schon sehr viele Feuerwehrfahrzeuge gesehen. Die Atmosphäre auf dem Weg zur Kirche war sehr eigenartig. Es fällt mir jetzt immer noch schwer dieses Gefühl zu beschreiben. Wir öffneten die Tür, um in die Kirche zu gehen. Hier sahen wir, wie viele Trauergäste schon da waren. Es war im ersten Moment ein Gefühl, als ob man keine Luft mehr bekommt. Die Stille, die vielen Menschen und das unbeschreibliche Gefühl. Der zweite Moment, die Gewissheit, dass man nicht alleine ist und durch viele Freunde, Bekannte, Nachbarn, Fußballfreunde, Feuerwehrkameraden, Kegelfreunde sowie der Gemeinde unterstützt und aufgefangen wird.
Es war so schlimm während der Messe, immer dieser Tunnelblick. Mir liefen sehr oft die Tränen nur so die Wangen runter. Bei der heiligen Kommunion habe ich erst realisiert, wie viele Menschen gekommen waren um mit uns Abschied zu nehmen. Mit jedem der nach der Kommunion bei uns an der Bank vorbei ging, liefen mir nur noch mehr die Tränen. Es gab zu jedem eine Geschichte, die wir gemeinsam erlebt haben. Die Geschichten und Erlebnisse waren sofort wieder präsent.
Am Ende der Messe sind wir hinter unserem Pfarrer her. Es ging zum Haupttor raus. Beim Auszug hatte ich ganz weiche Knie. Die Angst wurde immer größer. Der Weg zur Leichenhalle, die ganzen Feuerwehrfahrzeuge und all die vielen Trauergäste, die das gleiche Schicksal mit uns teilten.
Ab hier haben wir eigentlich nur noch funktioniert.
Die Aufbewahrung in der Leichenhalle. Das Bild von dir am Fuße deines Sarges, wie immer mit einem Lächeln in deinem Gesicht. Ich hatte das Gefühl als würdest du neben mir sitzen. Wir haben uns das Lied von Xavier Naidoo gewünscht "Abschied nehmen".
Nach der Segnung ging es gemeinsam mit dir zur Grabstätte. Es waren deine Freunde, die dich getragen haben. Hier mussten wir nun am Grab von dir Abschied nehmen. Es hat mir gut getan und ich denke, dass ich da nicht der Einzige gewesen bin, dass du nicht direkt ins Grab runter gelassen wurdest, sondern noch über der Erde warst.
Das hat natürlich nicht den Schmerz des Abschieds gelindert, nicht im gerinsten.
Es wurden noch Trauerreden von der Feuerwehr Dürboslar, Feuerwehr Aldenhoven und Borussia Freialdenhoven gehalten.
Am Grab (und bereits auch schon an der Leichenhalle) haben deine Feuerwehrkameraden die Ehrenwache gehalten.
Deine Freunde, Bekannte, Kameraden und die ganzen anderen Leute haben nun auch von dir Abschied nehmen müssen. Wir waren noch immer gnaz in deiner Nähe.
Wir haben alle viele Beileidsbekundungen entgegen genommen. Hier war es wieder so, wie ich es schon in der Kirche während der Messe erlebt habe. Es gab zu jedem eine Geschichte, die wir gemeinsam erlebt haben. Die Geschichten und Erlebnisse waren sofort wieder präsent.
Hier haben wir wieder unglaublich viele Zuwendungen erfahren. Mal war es ein Blick, mal ein gesprochenes Wort, mal eine Umarmung, mal Tränen, mal die fehlenden Worte. Es sind wirklich sehr viele Tränen geflossen.
Im Anschluss waren alle eingeladen am Feuerwehrhaus noch einen Kaffee zu trinken. Die ersten sind nach dem Kaffe gefahren, da waren wir immer noch am Grab und haben Beileidsbekunden entgegen genommen. Es wurde uns später gesagt, dass wir fast drei Stunden an deinem Grab gestanden haben, bis sich alle von dir verabschiedet und uns ihr Beileid ausgesprochen haben. Dass wird auch so gewesen sein; für mich persönlich und auch Frank hat es mir bestätigt, waren es gefühlte 15 Minuten.
Es hat gut getan diese ganzen Leute zu sehen und wir wussten, dass wir nicht alleine sind. Es hat uns gut getan und umgekehrt genauso. Wir haben das gleiche Schicksal geteilt.
Unsere Feuerwehrkameraden haben in der mittlerweile aufgekommenen Hitze bis zum Schluss in der Feuerwehruniform Ehrenwache gehalten. Es war schon eine sehr prägende Situation, die mich heute immer noch ergreift.
Im Anschluss sind wir dann zum Feuerwehrhaus. Hier haben viele Helfer liebevoll den Kaffee vorbereitet und das Gebäck hergerichtet. Es war schon 14:00 UHr als wir im Feuerwehrhaus eintrafen. Seit Beginn der Beerdigung sind nun schon mehrere Stunden vergangen. Ein Zeitgefühl hatte ich nicht wirklich mehr und ehrlich gesagt, war mir zu diesem Zeitpunkt auch alles egal.

