Mama

 

Wir haben schon während der Planung und Erstellung dieser Homepage darüber gesprochen, dass unsere Mutter vielleicht auch etwas schreiben möchte. Sie hat sich zum damaligen Zeitpunkt sehr darüber gefreut.

Sie fand die Idee der Homepage schon super und wie wir sie erstellt haben hat ihr auch sehr gut gefallen. Sie ist sehr stolz.

Ihre Gedanken niederzuschreiben ist ihr aber im Moment nicht möglich. Sie hat mehrmals versucht, ihre Gedanken in Worte zu fassen, es ist ihr einfach nicht möglich.

Meine Mutter sagte zu mir völlig aufgelöst und voller Tränen: „Michael, ich kann es nicht. Ich kann es einfach nicht. Es ist wieder alles da, wenn ich schon alleine an die Nacht denke wo Günter ermordet wurde und sich für immer alles verändert hat. Die grausame Nachricht, die mir Frank sagen musste, ich werde sie nie vergessen, Mama: Günter ist tot! In meinen Gedanken höre ich Günter immer noch rufen, „Mama, Mama bitte helfe mir“. Die Audioaufzeichnung mit dem grausamen Mord.

Seit dem 27.04.2008 oder besser gesagt, seit dem Mord an Günter hat sich alles geändert. Seit dieser Zeit hat es sehr viel Kraft gekostet, mit der neuen Wirklichkeit umzugehen.

Die meiste Kraft hat es nicht unserer Mutter gekostet, sondern die meiste Kraft hat unsere Mutter verloren.

 

Wenn erst einmal…

Wenn ein Kind geboren wird, ändert sich das Leben von einer Sekunde auf die andere.

Vorbei sind die ruhigen Nächte und man sagt: Wenn du erst einmal ein paar Wochen alt bist, wird es anders sein. Du wirst hoffentlich durchschlafen.

Dann sind die Wochen um und man sagt, wenn du erst einmal 3 Monate alt bist, dann hören deine Bauchschmerzen auf, nach dieser Zeit sagt man: Wenn du erst einmal laufen kannst, wird alles anders sein.

Wenn du auf deinen wackligen Beinchen stehst und neugierig die Küchenlade inspizierst, sagt man: Im Kindergarten wird alles anders.

Wenn dann endlich die wichtigsten Kinderkrankheiten vorbei sind kann man den Augenblick kaum erwarten, wenn du mit deiner Schultüte und dem Rucksack stolz und aufgeweckt  in die 1. Klasse marschierst.  

Nach der euphorischen Anfangszeit  sehnt man den Augenblick herbei, wo die Schulzeit endlich vorbei ist und ist überzeugt: Aber jetzt wird wirklich alles anders!

Wenn du einen Beruf erlernt hast und eine Freundin an deiner Seite ist, wird alles mit Sicherheit anders, denn du hast die ganze Zukunft vor dir.

Und wenn du erst einmal eine eigene Wohnung hast, ein neues Auto, wenn du viele Freunde hast, wenn du Pläne machst, wenn du Träume hast, die in Erfüllung gehen: Dann hast du es geschafft, denn von da an wird es wunderbar anders.

Eltern erleben in Gedanken schon immer den nächsten Lebensabschnitt ihres Kindes 1000 Mal im voraus.

 Aber keine Sekunde denkt man: Wenn du erst einmal tot bist!  

 Diesen Gedanken erlauben wir und niemals. Wenn man mit dieser endgültigen Tatsache konfrontiert ist, DANN IST WIRKICH ALLES, GANZ ANDERS! Denn man war ja nicht vorbereitet.

Wenn schlagartig die Sorgen um das Kind weg sind! Was macht man mit der Fürsorge, der Rücksicht, der Verantwortung, der gebenden und führenden Hand, die immer für das Kind dar war? Zu keiner Zeit denkt man, dass ein Kind vor einem selbst geht und man einmal an seinem Grab stehen wird.

Wie übersteht man diesen Verlust, diese schmerzende Leere? Die quälenden Gedanken, die einen bis an den Rand des Wahnsinns treiben? Wie erlebt man den zukünftigen Alltag mit sogenannten Feiertagen wie Geburtstag und Weihnachten? Wenn die Erinnerung zum Lebensbegleiter wird, die Angst vor dem Vergessen den Schlaf raubt?

Es gibt ein Gefühl, das ab der Geburt nie seinen Charakter ändert, das nie weniger  wird und ein riesiges Potential hat und das uns überleben lässt, ein Gefühl, das sogar Hoffnung und Glaube zulässt, den Glauben, dass eines Tages alles anders sein wird…..Es ist: DIE UNENDLICHE LIEBE einer Mutter zu ihrem Kind.

Text aus dem Hörbuch: "Was ist hinter der Tür....?

 

Die Tür

Mama sag mir, was ist hinter der Tür?

Stopp, kein Schritt zu weit , denn hier wohnt die Ewigkeit!

 

Mein Kind, pass auf, verlässt nur kurz dich dein Glück,

betrittst du die Schwelle, gibt’s kein Zurück

 

Mama, ich seh das ewige Licht, ich fürchte mich nicht!

ICH muss jetzt gehen, bleib DU bitte stehn!

 

Mama, ich sag dir, ich bin nun hinter der Tür!

Schlaf ruhig ein, ich lass dich kurz rein.

 

Der Traum wird dir – solange du lebst - in Erinnerung sein,

wann immer du traurig bist und mich ganz schlimm vermisst

 

Hier wohnt die Freude, unbeschreibliches Glück,

Mama, du kannst hier nicht bleiben, du musst jetzt zurück.

 

Mein Kind, mein Herz ist so schwer, aber ich danke dir sehr

 

Ich werde nicht mehr so oft weinen,

jetzt, wo ich weiß, das Licht wird uns wieder vereinen

 

 


 

       

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